Pseudokrupp-Anfälle mitten in der Nacht

Pseudokrupp: Wenn dein Kind nachts bellend hustet – der Notfall-Plan für Eltern

Autor: Dr. Marc Golombeck FAQ

Pseudokrupp startet oft nachts: Dein Kind wacht plötzlich auf, hustet „bellend“, ist heiser – und manchmal hörst du beim Einatmen ein pfeifendes Geräusch (Stridor) (kindergesundheit-info). Das wirkt dramatisch. Und ja: Es ist absolut normal, wenn dir dabei das Herz in die Hose rutscht.

Die gute Nachricht: Die meisten Anfälle sind gut beherrschbar – wenn du einen klaren Plan hast und weißt, wann du nicht abwarten darfst (NHS, HealthyChildren/AAP, RCH Kids Health Info).


Erstmal kurz sortieren (30–60 Sekunden)

Schau weniger auf „wie laut“ – mehr auf „wie schwer“:

Merksatz: Stridor in Ruhe ist deutlich ernster als Stridor nur beim Weinen.


Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp (Krupp-Syndrom) ist meist eine virusbedingte Entzündung im Bereich von Kehlkopf/oberer Luftröhre. Die Schleimhaut schwillt an – und weil die Atemwege bei Kleinkindern eng sind, entsteht schnell dieses typische Bild (kindergesundheit-info, NHS):

  • bellender Husten
  • Heiserkeit
  • ggf. Stridor (pfeifendes Einatemgeräusch), oft in der Nacht stärker (NHS inform)

Am häufigsten betrifft es Kinder im Kleinkindalter (grob: 6 Monate bis 5 Jahre) (RCH Kids Health Info).


Der 3-Minuten-Plan (für die Nacht)

Ziel: Ruhe reinbringen, Atemarbeit reduzieren, Warnzeichen checken.

1) Aufrecht halten & beruhigen

  • Nimm dein Kind aufrecht auf den Arm oder setz es im Bett auf.
  • Sprich ruhig, langsam, nah.
  • Stress macht es oft schlimmer, weil Kinder dann schneller und flacher atmen (RCH Kids Health Info).

2) Kühle/frische Luft (kurz & pragmatisch)

  • Fenster öffnen / kurz an die Haustür oder auf den Balkon: kühle Luft kann helfen die Schleimhäute abzuschwellen und ist oft die wirksamste Soforthilfemaßnahme (kindergesundheit-info).
  • Wichtig: Nicht auskühlen, aber auch nicht überhitzen.

3) Entscheiden: Zuhause noch ok – oder lieber Hilfe holen?


Was du nicht machen solltest (und was eher schadet)

  • Keine Inhalation mit heißem Dampf. Das ist nicht nötig – und die Verbrühungsgefahr ist real. Entscheidend ist eher: Kind beruhigen, aufrecht lagern und Warnzeichen erkennen (RCH Kids Health Info).
  • Keine Hektik mit vielen Personen/hellen Lichtern: Je mehr Stress, desto schlechter wird oft die Atmung.
  • Nicht flach hinlegen: Aufrechte Lagerung ist besser und lindert die Atemnot.

Was ist mit Medikamenten?

Wenn die Beschwerden schwerwiegend sind, kann ärztlich eine Behandlung erwogen werden, die die Schwellung reduziert (z. B. ein Kortikosteroid als Zäpfchen) (RCH Kids Health Info, HealthyChildren/AAP). In schweren Fällen ist eine Akuttherapie im Krankenhaus nötig.

Wichtig für Eltern: Antibiotika helfen meist nicht, weil Pseudokrupp in der Regel viral ist (NHS).

Im Blog nennen wir bewusst keine expliziten Medikamente oder Dosierungen. Ob und was sinnvoll ist, hängt vom Schweregrad und Alter ab und wird - falls notwendig - immer ärztlich verordnet.


Alarmzeichen: dann bitte nicht abwarten!

Bitte sofort medizinische Hilfe holen, wenn eines der folgenden Warnzeichen zutrifft:


Wohin jetzt? Praxis, Bereitschaftsdienst oder 112?

Praxis

  • Wenn es nicht akut bedrohlich ist, du aber eine ärztliche Einschätzung möchtest (z. B. wiederkehrende Anfälle, unklarer Verlauf).

Kinderärztlicher Bereitschaftsdienst

  • Außerhalb unserer Sprechzeiten: wenn es dringend ist, aber keine akute Lebensgefahr besteht.

112 (Notruf)

  • Atemnot, bläuliche Lippen/Haut, Bewusstseinsstörung, rasche Verschlechterung. Das ist ein grundsätzlicher Notfall und benötigt schnell ärztliche Hilfe.

Häufige Fragen (FAQ)

1) Wie lange dauert Pseudokrupp?

Oft ist es nach 1–2 Nächten deutlich besser, der Husten kann aber noch ein paar Tage bleiben (NHS).

2) Warum ist es nachts schlimmer?

Nachts wirkt sich die Schwellung im Liegen mehr aus und Kinder geraten schneller in Stress – deshalb sind viele Anfälle nachts (RCH Kids Health Info).

3) Ist das ansteckend?

Die auslösenden Erkältungsviren sind ansteckend – wie bei vielen Infekten (NHS).

4) Mein Kind hat auch Fieber dazu – passt das?

Ja. Es beginnt oft wie ein normaler Infekt (Schnupfen/leichtes Fieber) und kippt dann nachts in den typischen Krupp-Husten (NHS, kindergesundheit-info).

5) Wann sollte ich denken: „Das ist vielleicht nicht harmlos“?

Wenn dein Kind sehr krank wirkt, stark speichelt, nicht schlucken kann oder sich die Atmung sehr schnell verschlechtert, muss das sofort ärztlich abgeklärt werden (RCH Kids Health Info).


Ein Satz zum Schluss

Bei Pseudokrupp ist oft nicht „die perfekte Maßnahme“ entscheidend, sondern: Ruhe, aufrechte Lagerung, Warnzeichen erkennen. Wenn du merkst, dass dein Kind Luftnot hat oder du das Gefühl hast „das kippt“: nicht zögern und ärztliche Hilfe holen.


Stand: Februar 2026. Inhalte ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.