02:13 Uhr - mitten in der Nacht! Dein Kind sitzt im Bett und hält sich den Bauch.
Autor: Dr. Marc Golombeck
Es ist kein großes Theater. Eher dieses stille „Da stimmt was nicht“, das die Eltern sofort aus dem Schlaf reißt. Dein Kind guckt dich an, halb wach, halb verzweifelt. Hand auf dem Bauch. „Aua.“
Du fragst automatisch: „Wo genau?“ - Und bekommst die Antwort, die Bauchschmerzen bei kleinen Kindern so unerquicklich macht: ein ungenauer Kreis irgendwo um den Bauchnabel.
In so einem Moment ist der Kopf sofort voll: Magen-Darm? Blinddarm? Was Falsches gegessen? Und gleichzeitig weißt du: Bauchschmerzen sind bei Kindern oft harmlos – aber sie fühlen sich nie harmlos an.
Rückspulen: Was war heute eigentlich?
Wenn man den Tag wie einen Film zurückdreht, sieht man plötzlich Dinge, die vorher nebensächlich wirkten:
- Da war das Abendessen, schnell nebenbei.
- Da war der Saft, „nur ein Glas“.
- Da war die Kita, ein komischer Abschied, vielleicht Tränen, vielleicht Ärger.
- Und da war – ganz oft – keine Zeit fürs Klo. „Muss nicht.“
Bauchschmerzen sind selten ein einzelner Auslöser. Meist ist es ein Mix aus Kleinigkeiten, der am Ende doch reicht, um nachts aufzuwachen.
Die häufigsten Gründe für Bauchschmerzen – ohne Schnörkel
1) Verstopfung: der unterschätzte Dauergast
Viele Kinder haben Bauchweh, weil im Darm einfach zu lange „Stau“ ist. Das kann drücken, ziehen, krampfen – oft rund um den Bauchnabel.
Woran du denken kannst:
- Stuhlgang selten oder sehr hart
- Pressen, „ich will nicht aufs Klo“
- Bauch wirkt gebläht
- Manchmal kommen trotzdem kleine Schmier- oder Miniportionen (das irritiert viele Eltern)
Das Gemeine: Es kann auch „Verstopfung“ sein, obwohl gestern noch Stuhlgang war.
2) Magen-Darm-Infekt: kommt oft leise, wird dann aber nachts deutlich
Manchmal startet ein Infekt nur mit Bauchschmerzen. Erst später kommen Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.
Wichtiger als die perfekte Diagnose ist hier:
- Trinkt dein Kind noch?
- Wirkt es wach, reagiert es normal?
- Kommt noch Urin?
Wenn das passt, ist es häufig erstmal Beobachten + Flüssigkeit in kleinen Schlucken.
3) Luft im Bauch, zu schnell, zu viel, zu süß
Kinderbäuche reagieren schnell: hastig gegessen, viel Saft, viel Rohkost, blähende Sachen, viel Schlucken beim Weinen – und schon rumort’s.
Typisch:
- wechselnde Schmerzen
- hörbares Gluckern
- Pupsen bringt Erleichterung
- Bauch ist eher „voll“ als „bösartig weh“
4) Bauchschmerzen durch Stress: der Körper spricht, wenn Worte fehlen
Kleine Kinder können Aufregung nicht immer erklären. Der Bauch übernimmt dann manchmal die Übersetzung.
Das heißt nicht „eingebildet“. Es heißt: Der Körper reagiert. Typisch ist: Schmerzen kommen wieder, gerne vor Kita/Terminen oder nach einem vollen Tag – und zwischendurch ist dein Kind auch wieder ganz normal.
5) „Eigentlich erkältet“ – und trotzdem Bauchweh
Ein Virus kann Bauchweh machen, auch wenn der Bauch nicht das Hauptproblem ist. Manchmal steckt eine Halsentzündung dahinter, manchmal ein allgemeiner Infekt. Bei kleinen Kindern ist das nicht immer sauber getrennt.
6) Harnwegsinfekt: an den Unterbauch denken
Gerade bei kleinen Kindern kann ein Harnwegsinfekt eher als Bauchschmerz auffallen. Manchmal mit Fieber, manchmal ohne. Hinweise können sein:
- Schmerzen beim Wasserlassen
- häufiger Harndrang, kleine Mengen
- ungewohnter Geruch
- Fieber ohne klaren Infektfokus
7) Unverträglichkeiten: möglich, aber seltener „plötzlich über Nacht“
Laktose/Fruktose und Co. können eine Rolle spielen – meist merkt man dann ein Muster (bestimmte Lebensmittel, wiederkehrende Beschwerden). Der einzelne Bauchweh-Abend ist sehr oft etwas anderes (Stau, Infekt, Luft).
Die Stelle, an der man nicht diskutiert: Warnzeichen!
Hol ärztliche Hilfe (auch nachts!), wenn du eines davon siehst:
- starke, zunehmende Schmerzen oder dein Kind ist nicht zu beruhigen
- der Bauch ist hart, stark druckschmerzhaft oder dein Kind wehrt jede Berührung ab
- grünes (galliges) Erbrechen, Blut im Erbrochenen oder im Stuhl
- hohes Fieber + deutlich schlechter Allgemeinzustand
- Zeichen von Austrocknung: sehr wenig Urin, trockener Mund, Teilnahmslosigkeit
- Bauchschmerzen nach einem Sturz/Unfall
- sehr kleines Baby (insbesondere unter 3 Monaten): lieber früher abklären
Zurück ins Schlafzimmer: Was jetzt meistens hilft
Wenn dein Kind zwar Bauchweh hat, aber insgesamt noch „da“ ist (ansprechbar, trinkt, lässt sich beruhigen):
- Wärme (nicht zu heiß)
- kleine Schlucke Wasser oder Tee
- Ruhe – kein „jetzt musst du aber schlafen“
- einmal ehrlich überlegen: Wie war der Stuhlgang die letzten Tage?
- beobachten, ob Luftabgang oder Stuhlgang Erleichterung bringt
Und ja: Manchmal ist es morgens weg. Nicht, weil das Kind übertrieben hat – sondern weil viele Ursachen (Luft, leichter Infektbeginn, „Stau löst sich“) sich über Stunden verändern.
Der wichtigste Satz ist nicht „Das ist bestimmt nichts“. Sondern: Ich schaue hin. Ich nehme es ernst. Und ich weiß, wann ich Hilfe hole.
Unser “Bauchweh”-Song
Unser kleiner Song zum Thema Bauchweh für Kinder - soll erklären und Mut machen:
(generiert mit SUNO)
