Ohrenschmerzen & Mittelohrentzündung

Ohrenschmerzen & Mittelohrentzündung: Was du heute tun kannst – und wann ihr kommen solltet

Autor: Dr. Marc Golombeck FAQ

Ohrenschmerzen kommen gerne abends oder nachts: Dein Kind liegt, weint, findet keine schmerzfreie Position – und du fragst dich: „Ist das jetzt eine Mittelohrentzündung? Braucht es Antibiotika? Oder reicht Abwarten?“

Die gute Nachricht: Viele akute Mittelohrentzündungen heilen von selbst, wichtig sind vor allem Schmerzlinderung und ein klarer Blick auf Warnzeichen (gesundheitsinformation.de).

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Untersuchung. Wenn du unsicher bist: lieber kurz Rücksprache halten.


Erstmal kurz das wichtige sortieren

Diese Fragen helfen dir sofort:

  • Wirkt dein Kind wach/ansprechbar – oder „weg“/extrem schlapp? (NHS)
  • Hat es starke Schmerzen und lässt sich kaum beruhigen? (gesundheitsinformation.de)
  • Trinkt es noch ausreichend? Kommt noch genug Urin? (NHS)
  • Kommt Flüssigkeit aus dem Ohr (das Ohr läuft)? (gesundheitsinformation.de)
  • Ist es ein Baby unter 6 Monaten? (Dann schauen wir lieber früher drauf.) (BVKJ – Kinderaerzte-im-netz)
  • Gibt es Schwellung/Rötung hinter dem Ohr oder steht die Ohrmuschel ab? (Alarmzeichen!) (NHS)

Was steckt dahinter?

Häufig startet es mit einem normalen Infekt: Schnupfen, Husten, vielleicht leichtes Fieber. Über die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr (Ohrtrompete) kann sich dann das Mittelohr entzünden – viral oder bakteriell (kindergesundheit-info, BVKJ – Kinderaerzte-im-netz).

Typisch sind:

  • Ohrenschmerzen (werden oft nachts schlimmer)
  • ggf. Fieber
  • unruhiger Schlaf, Quengeln
  • manchmal schlechteres Hören für ein paar Tage (gesundheitsinformation.de)

Was zuhause wirklich hilft (ohne „Wundermittel“)

1) Schmerz ist der wichtigste Hebel

Bei akuter Mittelohrentzündung sind Schmerzmittel oft das Wichtigste – nicht „weil man immer etwas geben muss“, sondern weil die Schmerzen sonst Schlaf/Trinken verhindert und damit eine Linderung der Symptomatik ausbleibt (gesundheitsinformation.de).

Dosierungen hängen u.a. ab von Gewicht/Alter – bitte nach Packungsbeilage oder unserer Empfehlung dosieren!

2) Wärme: wenn dein Kind es mag

Wärme (z. B. Wärmekissen) kann als „Wohlfühlmaßnahme“ helfen – muss aber nicht. Wenn dein Kind es ablehnt: weglassen. (BVKJ – Kinderaerzte-im-netz)

3) Nase frei machen (indirekt hilfreich)

Wenn ein Infekt dahinter steckt, kann „Nase frei“ den Druck im Ohr verbessern. Das ist keine Garantie, aber pragmatisch oft sinnvoll (Meerwasser/Spülung nach Bedarf, je nach Alter). (kindergesundheit-info)

4) Trinken & Ruhe

Wie bei jedem Infekt: Flüssigkeit, Ruhe, Nähe. Das ist nicht „zu wenig“, sondern die notwendigen Basismaßnahmen. (NHS)


Was du besser nicht machst

  • Nichts ins Ohr tropfen, was nicht explizit dafür gedacht/ärztlich empfohlen ist.
  • Keine „Hausmittel-Experimente“ mit Ölen, Ohrkerzen o. Ä. (Reiz-/Infektionsrisiko).
  • Kein Druck: Dein Kind „stellt sich nicht an“. Ohrenschmerzen können wirklich heftig sein. (gesundheitsinformation.de)

Braucht Dein Kind Antibiotika? (Die ehrliche Antwort)

Oft nicht sofort.

Bei vielen Kindern ist „Beobachten“ oder eine verzögerte Antibiotika-Strategie genauso wirksam wie sofortige Antibiotikagabe – vor allem, was die Schmerzen nach einigen Tagen angeht (NICE NG91, CDC Watchful Waiting). Außerdem: Antibiotike wirken bei viralen Infekten nicht, die ebenfalls eine Mittelohrentzündung auslösen können. Weniger Antibiotika bedeutet auch weniger Nebenwirkungen und weniger Resistenzdruck.

Wann Antibiotika eher eine Rolle spielen können (typisch zB in Leitlinien zu finden):

  • sehr junges Kind (z. B. < 6 Monate)
  • sehr schwerer Verlauf / starke Allgemeinsymptome
  • anhaltende Beschwerden oder Verschlechterung trotz guter symptomatischer Therapie
  • besondere Risikofaktoren (z. B. relevante Grunderkrankungen) (BVKJ – Kinderaerzte-im-netz, NICE NG91)

Wichtig: Die Entscheidung hängt vom Alter, Befund im Ohr, Allgemeinzustand und Verlauf ab. Das lässt sich am Telefon manchmal nur begrenzt klären – wir müssen für so eine Entscheidung immer das Kind persönlich sehen.


Alarmzeichen: dann bitte nicht mit einer ärztlichen Abklärung abwarten

Bitte zeitnah/sofort abklären lassen, wenn eines der folgenden Warnzeichen zutrifft:

  • Schwellung/Rötung hinter dem Ohr, Ohrmuschel steht ab, starke Druckschmerzen am Knochen hinter dem Ohr - Gefahr einer Mastoiditis (NHS)
  • dein Kind wirkt sehr krank, extrem schlapp oder kaum ansprechbar (NHS)
  • Nackensteife, starke Kopfschmerzen, auffälliger Hautausschlag, Bewusstseinsveränderung - Gefahr einer Hirnhautentzündung (NHS)
  • Ohr läuft plus deutliches Krankheitsgefühl oder starke Schmerzen (gesundheitsinformation.de)
  • Schmerzen werden trotz angemessener Schmerzlinderung schnell schlimmer (NICE NG91)
  • Säugling mit Fieber/auffälligem Verhalten (lieber niedrigere Schwelle) (BVKJ – Kinderaerzte-im-netz)

Wohin jetzt? Praxis, Bereitschaftsdienst oder 112

Praxis / Kontakt

  • Ohrenschmerzen ohne Alarmzeichen, aber du möchtest Sicherheit
  • wiederkehrende Ohrprobleme
  • Schmerzen + Fieber, Kind wirkt deutlich krank
  • du brauchst Hilfe bei der Frage „Abwarten oder behandeln?“

Kinderärztlicher Bereitschaftsdienst

  • außerhalb der Sprechzeiten: wenn es dringend ist, aber keine akute Lebensgefahr besteht.

112 (Notruf)

  • schwere Atemnot, Krampf, Bewusstseinsstörung oder „es wird akut lebensbedrohlich“ (Grundregel Notfall): DRK Notruf 112

Häufige Fragen (FAQ)

1) Wie schnell wird es besser?

Viele Kinder sind nach 2–3 Tagen deutlich besser – zumindest was Schmerzen/Allgemeinzustand angeht (gesundheitsinformation.de, NICE NG91).

2) Darf mein Kind mit Ohrenschmerzen fliegen?

Bei akuten Ohrproblemen kann Druckausgleich weh tun. Wenn ein Flug ansteht: lieber vorher mit uns absprechen – es hängt stark vom Befund ab.

3) „Das Ohr läuft“ – ist das schlimm?

Es kann bedeuten, dass sich Druck aus dem Mittelohr entladen hat (z. B. bei Mittelohrentzündung). Trotzdem gilt: immer ärztlich anschauen lassen, besonders wenn dein Kind krank wirkt oder Schmerzen hat (gesundheitsinformation.de).

4) Woran erkenne ich eine Außenohrentzündung statt einer Mittelohrentzündung?

Wenn Ziehen an der Ohrmuschel oder Druck auf den „Knorpel vorne“ (Tragus) stark weh tut, spricht das eher für den äußeren Gehörgang (BVKJ – Kinderaerzte-im-netz). Dann ist die Behandlung oft anders. Stelle bitte Dein Kind ärztlich vor.

5) Kann das Gehör dauerhaft leiden?

Meist ist ein vorübergehend „dumpfes Hören“ bei akuter Mittelohrentzündung nur temporär. Wenn du aber merkst, dass das Hören länger auffällig bleibt oder die Entzündungen häufig wiederkommen, sollte man das gezielt anschauen (gesundheitsinformation.de, kindergesundheit-info).


Ein Satz zum Schluss

Ohrenschmerzen sind für Kinder oft richtig fies – und für Eltern zermürbend, weil sie so plötzlich kommen. Du musst das nicht allein entscheiden: Wenn du unsicher bist, melde dich. Lieber einmal kurz sortieren als eine lange Nacht im Alarmmodus.


Stand: Februar 2026. Inhalte ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.